Eines langen Tages Reise in die Zivilisation ODER gekühlte Getränke in der einsamen Bucht – Reisebericht Sardinien Tag 20

Cala LunaWas am zweiten Tag der Alpikuna-Expedition in Capo Testa ein kleiner Vorgeschmack war, sollte am vorletzten Tag unseres Sardinien-Aufenthaltes in ein wahres Abenteuer münden. Oder zumindest hatten wir es uns so vorgestellt…

Schon seit einigen Tagen ließ uns eine Bucht namens „Cala Luna“ – Mondbucht – nicht mehr los. Sie spukte in unseren Köpfen herum und bestimmte viele unserer Gespräche. Einmal mehr – als krönender Abschluss sozusagen – wollten wir in einer wunderschönen Bucht baden und klettern. In unseren Köpfen entsponnen sich wilde Fantasien über einen einsamen Strandabschnitt, den wir quasi erobern wollten. Wir waren auf alles vorbereitet, diskutierten über Ausrüstung, Proviant und Routenplanung. Kurz stand sogar die Idee im Raum, in der Bucht zu übernachten, was uns dann aber doch nicht ganz geheuer war – was ist, wenn einem von uns irgendetwas passiert, sich jemand verletzt oder uns der Proviant ausgeht? Wir wollten das Risiko so kurz vor Ende der Expedition nicht auf uns nehmen.

Also fassten wir einen tollkühnen Plan ins Auge. Kurz nach Sonnenaufgang, als die Temperaturen noch vermeintlich erträglich waren, brachen wir auf. Ein zweistündiger Fußmarsch auf den Klippen führte uns an einigen Buchten vorbei bis wir dann endlich zur Cala Luna gelangen sollten. Selbstverständlich waren wir aufgrund unserer gründlichen Recherchen informiert darüber, dass es auch die Möglichkeit gab, per Boot dorthin zu gelangen – aber wer würde denn so etwas schon machen? Wir wollten uns diese einsame Bucht redlich verdienen. Also stapften wir mit unseren Rucksäcken, die wir ausgeklügelt gepackt hatten (kein Gramm zu viel), los. Sicherheitshalber hatten wir unsere Survival-Ausrüstung (© by David und Klaus) dabei – für den Fall, dass wir doch noch auf eigene Faust jagen oder eine Notunterkunft bauen würden müssen.

Nun ja, was soll ich sagen…nach ziemlich exakt zwei Stunden erreichten wir das Hinterland der Bucht. Nachdem der Pfad den Blick auf die Bucht freigab, sprang uns als erstes ein ziemlich großes Gebäude ins Auge. Dahinter knatterte es lautstark, was sich bei näherer Betrachtung als Stromaggregat entpuppen sollte, das die unmittelbar anschließende Pizzeria (!!) mit Strom versorgte und die Getränke im Kühlschrank frisch hielt. Wir hatten uns die wildromantische Bucht anders vorgestellt: unberührt, abgeschieden, einsam – vielleicht nur von ein paar freundlichen Kannibalen-Stämmen bevölkert.

Im Laufe des Tages sollte sich die Cala Luna mit tausenden von Leuten füllen. Ausflugsboote kamen und gingen und ließen Scharen von Badehungrigen über den eigens gebauten Landungssteg in die Bucht. Kanu- und Tretbootverleih inklusive, Sonnenschirme und Liegen konnte man ebenfalls mieten. Uns dämmerte, dass wir wohl an jenem Strand angelangt waren, der der bevölkertste des ganzen Urlaubs sein würde. Soviel also zu unserer Robinson Crusoe Erfahrung.

Um das Ganze aber in das richtige Licht zu rücken. Die Bucht ist wirklich wunderschön und jedenfalls einen Ausflug wert. Wunderschöner Strand, glasklares Wasser, beeindruckende Höhlen und spektakuläre Kletterrouten. Da wir die ersten waren, die in der Früh – lange bevor das erste Ausflugsboot Touristen ausspuckte – angekommen waren, hatten wir die Ruhe und Schönheit der Bucht eine Zeit lang ganz für uns alleine und konnten sie in uns aufsaugen. Ein unvergessliches Erlebnis, das wir auch deswegen noch mehr auskosteten, weil wir es uns selbst erarbeitet hatten anstatt bequem per Boot in nur wenigen Minuten anzureisen.

Nach dem Rückmarsch waren wir jedenfalls überglücklich und bereiteten uns auf die letzte Nacht auf sardischem Festland vor.

Fotogalerie unter www.alpikuna.at/fotogalerie-reisebericht-sardinien.html

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