Die wahrscheinlich kleinste Rezeption der Welt ODER Von wem der Föhn noch etwas lernen kann – Reisebericht Sardinien Tag 11

rezeptionDer Aufenthalt des Alpikuna-Teams im Süden der Insel fiel kürzer aus als ursprünglich geplant. Die Symptome einer akuten Kletter-Abstinenz machten sich bemerkbar. Also brachen wir in den Westen der Insel auf.

Zielsicher steuerten wir den Campingplatz Ortus de Mari an. In den einschlägigen Internetforen teilen sich die Meinungen, ob der Campingplatz empfehlenswert ist oder eben nicht. Aber schon auf der Anreise war uns klar, dass wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Die teilweise sehr steile Küstenstraße auf dem Weg zur Ortschaft Buggerru verlangte unserem Alpikuna-Wohnmobil alles ab, dafür entschädigte aber die spektakuläre Aussicht.

Als Highlight des Campingplatzes entpuppte sich der Empfangsbereich: der freundliche Besitzer hatte einen winzigkleinen Wohnwagen in eine Rezeption umfunktioniert. Wie man jemals in diesem beengenden Umfeld hatte schlafen können, war uns ein Rätsel, aber der neue Verwendungszweck war jedenfalls ein Hingucker. Der erste Eindruck täuschte nicht – der Campingplatz war ein Volltreffer: klein, ruhig, sauber und sehr charmant.

Vom Kletterfieber gepackt, machten wir uns nach unserer Ankunft gleich auf die Suche nach dem ersten Gebiet, was sich ziemlich schwierig gestaltete. Nachdem wir dir richtige Abzweigung gefunden hatten, sollten wir laut Wegbeschreibung zwei Kilometer in eine Schlucht hineinfahren. Die Straße war unbefestigt und in schlechtem Zustand – glücklicherweise war unser Begleitfahrzeug derartige Verhältnisse schon von unserem Korsika-Trip gewohnt. Die holprige Fahrt schien unendlich lange zu dauern, ohne dass wir nur in die Nähe von kletterbaren Felsen gekommen wären. Kurz bevor wir resignieren wollten, nahm sich David, der Meister der Klettergriffe,.ein Herz und marschierte zu Fuß noch ein wenig weiter. Und siehe da – nach nur wenigen Metern glitzerten die ersten Bohrhaken in der Nachmittagssonne.

Die Abgeschiedenheit der Schlucht sorgte dafür, dass wir alleine waren. Allerdings mussten wir der Nachmittagshitze und dem immer stärker werdenden Wind allzu bald Tribut zollen. Trotzdem erhielten wir einen guten Eindruck über das Gebiet. Steile, griffe und relativ lange Routen in bestem Kalkgestein reihten sich aneinander. Der  unaussprechliche Name der Schlucht – „gutturu cardaxius“ -  erinnert vielleicht eher an einen medizinischen terminus technicus für eine Kehlkopfentzündung. Lasst euch aber davon nicht abbringen, hier findet sich für jeden Geschmack etwas.

Für die wohlverdiente Abkühlung steuerten wir die „Cala Domestica“an, einem der wenigen flachen Strände in dieser Gegend. Das kühle Nass zeigte sich auch hier von seiner schönsten Seite, wobei der Strand unter Tags wahrscheinlich zum Bersten voll ist.

Die Abkühlung sollte aber nicht lange anhalten. Schon am Nachmittag hatte der Schirokko, ein heißer Saharawind, die Temperatur auf schwindelerregende 43 Grad im Schatten ansteigen lassen. Als der großer Bruder des Föhns – ehrlich gesagt ist der Föhn dagegen eine sanfte, kühle Brise – in der Nacht noch einmal „auffrischte“, kam es uns vor als ob wir unseren Kopf in einen vorgeheizten Backofen steckten. Gegen Mitternacht zeigte unser Thermometer immer noch stolze 35 Grad an.

Diese Wetterkapriolen stellten uns vor zwei Herausforderungen – wir überlassen euch, welche die größere ist: einerseits sind das nicht jene Temperaturen, die wir zum Einschlafen gewohnt sind, andererseits ächzte auch unsere Kühlbox, was zur Folge hatte, dass wir unser Feierabend-„Ichnusa“ lauwarm schlürfen mussten.

Fotogalerie unter www.alpikuna.at/fotogalerie-reisebericht-sardinien.html

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