Benvenuto a Sardegna ODER wie wir nur knapp den sardischen Gefängnissen entronnen sind – Reisebericht Sardinien Tag 2

leuchtturm-von-olbiaNachdem uns das sanfte Wiegen der riesigen Fähre und das monotone Brummen der Dieselmotoren in den Schlaf gewogen hatten, erwachte das ganze Alpikuna Team am nächsten Tag bereits in den sardischen Hoheitsgewässern. Der Blick aus dem Bullauge verriet uns, dass wir uns bereits auf der Einfahrt in den Hafen von Olbia befanden. Nach einem äußerst unitalienischen – weil viel zu schwachen – Kaffee und ein paar Croissants war es auch schon an der Zeit, unsere Fahrzeuge aus dem Bauch der Fähre zu holen und endlich einen Fuß (oder besser gesagt acht Reifen) auf die Insel zu setzen.

Von der Ostküste steuerten wir schnurstracks unseren ersten Campingplatz am nordwestlichen Zipfel, in der Nähe des Provinzstädtchens Santa Teresa de Gallura, an. Die berühmt-berüchtigte Costa Smeralda – Catwalk der Reichen und Schönen – ließen wir links (oder besser gesagt rechts) liegen. Bunga-Bunga-Partys in herrschaftlichen Anwesen, mit denen sich die Costa Smeralda in der letzten Zeit einen Namen gemacht hatte, standen bei uns nicht besonders hoch im Kurs. Wir hatten andere Pläne.

Das vermeintlich leicht zu findende Ziel, der Camping-Platz La Liccia, war dann doch nicht auf Anhieb zu finden. Wahrscheinlich lag es auch daran, dass wir uns den Schlaf doch noch nicht ganz aus den Augen gerieben hatten. Jedenfalls fanden wir uns ziemlich unverhofft in einer Sackgasse wieder, die uns zum Umkehren zwang. Ein wenig ratlos navigierten wir unser Wohnmobil aus Platzgründen auf einen netten Platz in Mitten des belebten Städtchens und studierten eifrig die Straßenkarte. Uns war bewusst, dass wir nicht exakt der italienischen Straßenverkehrsordnung entsprechend unser riesiges Vehikel positioniert hatten, doch hatten wir das Gefühl, dass unsere Expedition einem höheren Zwecke diente und wir uns nicht mit Lappalien wie den italienischen Gesetzen auseinanderzusetzen hätten.

Offensichtlich hatte aber unser Wohnmobil die Aufmerksamkeit zweier pflichtbewusster Politessen auf sich gezogen. Jedenfalls deuteten sie uns mit knappen Worten an, ihnen unsere Fahrzeugpapiere auszuhändigen und aus den Fahrzeugen zu steigen, obwohl wir mit Hundeaugen beteuerten, dass wir unseren ungünstigen Standplatz augenblicklich räumen würden. Nichts da…nach einiger Verwirrung über unsere Herkunft – mit so exotischen Menschen wie Österreichern hatten die beiden Damen mittleren Alters wohl noch wenig Erfahrung gesammelt – zückten sie ihre Smartphones und fotografierten unsere Führerscheine.

Nachdem nun also auch die NSA endgültig darüber in Kenntnis war, dass wir uns auf Sardinien befinden, erfolgte die rechtliche Belehrung. Uns war natürlich die Schwere unseres Vergehens nicht bewusst. Nicht nur hatten wir uns erlaubt, in Mitten von Santa Teresa Gallura im Halte-und Parkverbot zu verweilen, sondern wir hatten auch jene Schilder am Ortseingang übersehen, die darauf hindeuteten, dass Wohnmobilen die Zufahrt in die Stadt generell verboten war!!

Im Nachhinein betrachtet können wir nicht mehr genau rekapitulieren, wie wir es schafften, der bekannt strengen Hand der italienischen Justiz zu entrinnen. Gegen unseren österreichischen Charme schienen die Damen immun zu sein und auch unsere sprachlichen Finessen dürften nicht den Ausschlag gegeben haben. Jedenfalls deuteten uns die Damen nach kurzer Beratung mit den allseits bekannten, ausladenden Gesten, dass wir uns aus dem Staub machen sollten. Dies ließen wir uns natürlich nicht zwei Mal sagen.

Den sardischen Kerkern entronnen fanden wir dann auch den Campingplatz sehr rasch. Wir hatten einen zum Bersten gefüllten Platz erwartet und waren deswegen umso positiver überrascht, dass wir noch genügend Plätze zur Auswahl hatten. Nach einer sorgfältigen Wahl machten wir uns an den Aufbau unserer ersten Homebase. Sie sollte für eine Woche unser Ausgangspunkt für zahlreiche Ausflüge sein. Auch die unmittelbare Nachbarschaft zu Horden von deutschen Jugendlichen, die hier offenbar ihre Sommerferien in einer Art boot-camp verbrachten, amüsierten uns mehr anstatt sie uns störten.

Was wäre aber dieser erste Tag gewesen ohne ein kühlendes Bad im glasklaren Wasser unseres Hausstrands, den wir nach einem ca. 15-minütigen Fußmarsch erreichten. Wir blieben, bis die Dämmerung weit fortgeschritten war und kehrten zurück, um den Abend gemütlich bei herrlich warmen Temperaturen ausklingen zu lassen.

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