Über die Rehleiter ins Reich des Gott des Meeres ODER die Nord-Süd-Transversale – Reisebericht Sardinien Tag 9

fahrt-zur-grotteEs war ein Abschied mit ein wenig Wehmut, als das ALPIKUNA-Expeditionsteam die sardische Nordost-Küste verließ und seine Reise gen Süden antrat. Wir hatten sehr viel erlebt und viele bleibende Eindrücke mitgenommen – es war nun an der Zeit, andere Ecken Sardiniens zu erkunden.

Ca. 350 km rechnete das Navi aus, würden wir zurücklegen, um von Santa Teresa de Gallura an die südliche Spitze der Insel, in die Ortschaft Chia zu fahren. Fahrzeit knappe fünf Stunden. Zum Vergleich: die Anfahrt von Vorarlberg nach Genua hat nur wenig mehr Zeit in Anspruch genommen.

Um die lange Autofahrt aufzulockern, hatten wir noch einen Zwischenstopp eingeplant. Das Capo Caccia entpuppte sich als spektakulärer Küstenabschnitt: Klippen aus weißem Kalk, die beinahe 200 Meter steil ins türkisfarbene Meer abfallen. Das Innere des Capo Caccia wird von einem labyrinthartigen Höhlensystem durchzogen. An der südlichsten Spitze befindet sich eine eindrucksvolle Tropfsteinhöhle – die Neptunsgrotte (Grotta di Nettuno).

Um ins Reich von Neptun, dem Gott des Meeres, zu gelangen, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Die gehfaulen Besucher können sich bequem per Boot von der Stadt Alghero aus direkt zum Eingang der Höhle führen lassen.  Für die sportlicheren gibt es auch einen Weg zu Fuß – es versteht sich wohl von selbst, welchen Weg das Alpikuna-Team gewählt hat.

Die Grotte liegt einen Meter über dem Meeresspiegel. Der Abstieg von der 110 Meter hohen Klippe erfolgt über eine steile, in den Fels geschlagene Treppe – die sogenannte Rehleiter (Escala del Cabirol). 656 Stufen liegen vor den Besuchern, die sich für diesen wunderschönen Zustieg entscheiden. Es ließ sich nicht eruieren, wieviele Personen täglich ärztliche Betreuung brauchen, nachdem sie diesen beschwerlichen Weg auf sich genommen hatten, aber es dürften wohl einige sein. Mittagshitze gepaart mit Übergewicht und diesem anstrengenden Auf- und Abstieg stellen sicherlich für einige größere Hindernisse dar. Uns sind jedenfalls manche begegnet, deren hochrote Köpfe, Kurzatmigkeit und verzweifelten Gesichtsausdrücke ein wenig Anlass zur Sorge machten.

Die Grotte selbst könnte aus Tausendundeiner Nacht entsprungen sein und zählt wohl zu den schönsten im Mittelmeer. Obwohl nur wenige Meter des ausgedehnten Höhlensystems für die Öffentlichkeit zugänglich sind, verschlagen einem die bizarr geformten Ablagerungen und die riesigen Stalagtiten und Stalagmiten die Sprache.

Fotogalerie unter www.alpikuna.at/fotogalerie-reisebericht-sardinien.html

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